Bestattungen Serway

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Reutlinger General-Anzeiger 21.04.2012

Erst seit 2003 ist Bestattungsfachkraft ein gesetzlich anerkannter Ausbildungsberuf mit dreijähriger Ausbildungszeit. Jule Serway durfte wegen guter Leistungen die Prüfung ein halbes Jahr vorziehen. Mit 21 Jahren ist sie erste ausgebildete weibliche Bestattungsfachkraft im Ermstal. »Für mich mein Traumberuf«, sagt sie überzeugend, und wer sie bei ihrer Tätigkeit erlebt, kann das sofort nachvollziehen.

LEUTE - Jule Serway ist mit 21 Jahren die erste und jüngste ausgebildete Bestattungsfachkraft im Ermstal

Ihre erste Begegnung mit dem Tod hatte sie mit sieben Jahren, als ihre Oma starb. »Bei uns wurde das Thema Tod nie tabuisiert und offen darüber geredet, das hat viel ausgemacht«, erklärt sie den natürlichen Umgang mit dem Thema schon als Kind. In der 10. Klasse durfte sie ihren Vater, der seit zehn Jahren als Bestatter tätig ist, bei einer »hygienischen Versorgung«, wie die Vorbereitungen zur Aufbahrung genannt werden, begleiten.

Prägendes Erlebnis als Kind

Für sie war das Erlebnis prägend für ihren späteren Berufswunsch. Eigentlich wollte sie Psychologie studieren. »Nach dem Abi hatte ich dann aber doch genug vom Lernen und wollte zunächst arbeiten«, sagt die junge Frau. Sie machte verschiedene Praktika wie beim Bestattungsdienst in Reutlingen und entschied sich für die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Diese Ausbildung ist zwar nicht verpflichtend, um als Bestatter tätig zu sein, »aber nur mit Ausbildung und Qualität kann man überzeugen«, findet Jule Serway.

Wer meint, der Beruf werde selten gewählt, täuscht sich, denn »es gibt inzwischen mehr Bewerber als Ausbildungsplätze«, erklärt sie. Bedarf ist vorhanden, nur ist der Tod immer noch ein Tabuthema, und genau das zu ändern ist eines ihrer Ziele. Darum ist sie beim Azubitag in der Gewerblichen Schule Metzingen am Donnerstag, 3. Mai, dabei und informiert über das Bestatterhandwerk.

Wie ein Grab fachmännisch ausgehoben wird, gehört zur Ausbildung wie die Nähtechniken des Arztes und Trauerpsychologie. Jule Serway informiert in Schulen über ihren Beruf, möchte damit die Scheu vor dem Tod, der zum Leben gehört, verringern.

Hausaufbahrungen möglich

»Im ländlichen Raum erweist man Verstorbenen noch die letzte Ehre. Dort gibt es überwiegend kirchliche Bestattungen«, sagt sie. Besonders in Großstädten mache sich leider eine gewisse »Entsorgungsmentalität« bemerkbar. Dem setzt sie individuelles Abschiednehmen entgegen. »Wir legen es den Menschen ans Herz, bei der hygienischen Versorgung und Aufbahrung dabei zu sein, und wenn sie es möchten, auch mitzuwirken«, erklärt die in Dettingen lebende junge Frau. Das kann sowohl in den Friedhofsräumlichkeiten als auch daheim geschehen, nur wissen viele nicht, dass Hausaufbahrungen möglich sind. »Es ist eine ganz andere Atmosphäre in gewohnter Umgebung Abschied zu nehmen. Hausaussegnungen waren fast in Vergessenheit geraten«, sagt sie und tut alles für einen würdevollen Abschied vom Verstorbenen. Der Dienst am und für den Menschen mache ihren Beruf sehr wertvoll, denn bei aller Trauer bleibt ein »schöner« Abschied als tröstende Erinnerung.