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Südwestpresse 03.11.2010

Sterben Menschen im Umfeld von Kindern, findet ein offenes Gespräch über den Tod oft nicht statt. Dabei gehen gerade die unbelastet mit dem Thema um, wie ein Projekt an der Uhlandschule verdeutlichte.

Dem Tod bereits im Leben Raum zu geben, ist wichtig. Denn nur dann kann offen in den Familien darüber geredet werden, ist ein tabuloser generationenübergreifender Austausch möglich. Eben mit diesem Ziel vor Augen haben sich 46 Viertklässler der Uhlandschule im Religionsunterricht intensiv mit dem Leben und Tod auseinandergesetzt, der in Absprache mit den Eltern durch ein gemeinsames Projekt mit dem örtlichen Bestattungsunternehmen ergänzt und in viele Familien getragen wurde: "Die Resonanz ist positiv", berichtet Ilse Eheim von Reaktionen der Eltern.

Das vermeintliche, von Kindern meistens ferngehaltene, Tabuthema sei zu Hause auf den Tisch gekommen und man habe sich damit befassen müssen - auch für Mamas und Papas eine wichtige Erfahrung. So haben sich einige Eltern sogar gemeinsam mit ihren Kindern um die Gestaltung der Erinnerungsstelen gekümmert, sind zum Teil eigens dafür auf den Friedhof gegangen oder haben gemeinsam nach Sprüchen gesucht. "Ein bisschen Leben heißt ein bisschen sterben" heißt es zum Beispiel auf einer Stele, die zwei Jungs konzentriert und liebevoll knallbunt bemalen. Auch die Kunstwerke der anderen Schüler sind farbenfroh, die Trauerfarben grau und schwarz sind kaum zu sehen. Wichtig ist Initiatorin Jule Serway, die gerade eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft absolviert, bei dieser praktischen Arbeit denn auch die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema. Der ging in der vergangenen Woche eine Fragerunde in der Schule voraus: "Die Jungen und Mädchen hatten keinerlei Berührungsängste", berichtet Jule Serway. "Sie haben von sich aus von ihren Erfahrungen erzählt." Und das sei ihrem Eindruck nach einigen Schülern ein wichtiges Anliegen gewesen: "Sie waren froh, sich mal zum Thema äußern zu können." Denn in den Familien werde selbst im Trauerfall kaum darüber geredet, würden Kinder geschont - dabei hätten die laut Jule Serway doch so viele Fragen. So wollten die Viertklässler unter anderem von ihr wissen, wie lange es dauert, bis von einem Menschen nichts mehr da ist. Sie erkundigten sich interessiert was beim Einäschern passiert oder wie tief ein Grab ist. In jungen Jahren auf ein schweres Thema vorbereiten, damit man im Fall des Todes mit ihm umgehen kann - dies war das Ziel des gemeinsam von Eltern, Lehrern und Bestattungsunternehmen getragenen Projekts.

"Ich bin froh, dass wir das gemacht haben", meint Ilse Eheim und erntet die Zustimmung der Religionslehrerinnen, die von einem überwältigen Erfolg und einer sinnvollen Ergänzung des Unterrichts sprechen. Das Projekt bleibt nicht auf die Schule beschränkt, wird vielmehr auch in die Öffentlichkeit getragen: Die Erinnerungsstelen sind bis 25. November auf einem Grabfeld gegenüber der Aussegnungshalle auf dem Dettinger Friedhof ausgestellt. Über das erste Adventswochenende werden sie in der katholischen Kirche zu sehen sein.